>> Bioimkerei Alois Wallner <<
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Varroaresistenz – 28 Jahre Selektion und Züchtung

Seit dem Jahr 1989 beschäftige ich mich intensiv mit der Selektion und Züchtung von Bienen, welche die Varroamilbe bereits als Feind erkannt haben, indem sie diese abfangen und töten. 1994 habe ich meine Erfahrungen dazu und ein Buch mit dem Titel „Varroaresistent“ im Eigenverlag drucken lassen. Seither sind bereits einige Jahrzehnte vergangen, es erhebt sich daher die Frage: Hat sich in dieser Zeit durch Selektion und Züchtung etwas messbar verändert? Ja, es hat sich vieles verändert. Die Varroamilbe ist gefährlicher für die Bienen geworden. Damals hatte ich meine Zuchtvölker mit relativ großem Milbenbefall fünf Jahre ohne jegliche Behandlung halten können. Das wäre heute nicht mehr möglich. Die Bienen sind empfindlicher geworden, sie ertragen nur mehr geringere Befallszahlen ohne Schaden zu nehmen. Dem gegenüber ist aber meine Züchtung aggressiver gegen die Varroamilbe geworden. Die Bienen töten mehr Milben denn je zuvor. Der durchschnittliche Messwert VKF (Varroa Killer Faktor beschreibt das Verhältnis der getöteten Milben zum Gesamtmilbenabfall) ist von 27 % auf über 95 % in 28 Jahren gestiegen. Die Frage ist nun: Wie wirkt sich dieser hohe Messwert von über 95 % VKF auf den tatsächlichen Varroabefall solcher Völker aus? Um das zu hinterfragen, habe ich bei meinen Zuchtvölkern am 31. 7. 2017 den Ø täglichen Milbenabfall ermittelt. Am 1. 8. 2017 begann ich diese Völker zu entmilben. Methode: Stoßbehandlung mit AS (Ameisensäure). Der dadurch entstandene Milbenabfall wurde in den folgenden 12 Tagen gezählt. Um den Wirkungsgrad dieser Entmilbung zu überprüfen, entschloss ich mich eine Kontrollbehandlung anzuschließen. Die letzte Entmilbung dieser Zuchtvölker war Ende August 2016. Von Anfang September 2016 bis 1. August 2017 wurde keine Entmilbungsmaßnahme vorgenommen, weder eine Oxalsäurebehandlung noch eine Drohnen-brutentnahme.



Die erhobenen Messwerte der Zuchtvölker 2017:

Messbare und erkennbare Varroaresistenz!
Der tägliche Varroaabfall vor der Entmilbung im Verhältnis zum tatsächlichen Varroaabfall nach der Entmilbung.


Diskussion: Ein durchschnittlicher Milbenabfall mit 41,6 Milben pro Volk und Tag der 10 Prüfvölker ergibt nach der herkömmlichen Hochrechnung geschätzt (täglicher Milbenabfall x 100-300) einen Ø Gesamtbefall pro Volk von ca. 10.000 Milben pro Volk. Der tatsächliche Befall meiner Zuchtvölker beträgt aber nur Ø pro Volk 1187 Varroamilben. Noch eindrucksvoller sind die fünf besten Messwerte der Völker dieser Gruppe: Ø täglicher Milbenfall vor der Entmilbung 19,8 Milben pro Volk und Tag, tatsächlich erhobener Gesamtabfall pro Volk 536 Milben. Wie ist dieser große Unterschied erklärbar? Bei dem täglichen natürlichen Milbenabfall sind bei meinen Zuchtvölkern auch jene Milben dabei, welche von den Bienen selbst getötet wurden. Laut Tabelle der 10 Völker Ø täglich 41,6 Milben pro Volk und Tag. Der Ø erhobene VKF von 95% im Milbenabfall weist nach, dass die Bienen dieser Völker täglich viele Varroamilben töten, was sich letztlich in einem gehemmten Befallsanstieg über das ganze Jahr auswirkt. Eine für mich interessante Beobachtung: Bei den unzähligen Untersuchungen von Milben, welche von den Bienen getötet wurden, machte ich eine beeindruckende Beobachtung: Vermehrt fand ich getötete Varroamilben, bei denen nur ein oder beide Fühler an der Spitze abgetrennt waren. Bei gleichem Varroakillerfaktor war in solchen Völkern die Zahl der getöteten Milben doppelt so hoch, wie in Völkern welche nur die Beine abtrennten. Meiner Ansicht nach haben die Bienen haben dazugelernt, dass es einfacher ist, nur die Fühler der Milben abzutrennen, denn diese befinden sich ständig ungeschützt vor dem Milbenpanzer. Es zeigt sich daher bei dieser Beobachtung sehr genau, dass manche Völker dazugelernt haben, sich besser gegen den Feind „Varroa“ zu wehren als andere. Um diese natürliche Varroaabwehr erkennen und messen zu können, bedarf es mindestens eines Zeitraumes von 10-11 Monaten ohne jegliche Behandlung.

Zusammenfassung: 28 Jahre Selektion und Züchtung auf das Merkmal Varroakillerfaktor haben den täglichen MilbenABFALL zum tatsächlichen VarroaBEFALL verändert. Die Varroaresistenz meiner Zuchtvölker hat sich im Laufe der Jahre ständig und nachhaltig verbessert. Der Varroa-Befallsanstieg in den Zuchtvölkern ist durch das ständige Töten der Milben durch die Bienen nachhaltig gehemmt. Diese Varroaresistenz ermöglicht eine weitere reduzierte Bekämpfung der Varroamilbe. Die Begutachtung der Messwerte mehrerer Zuchtvölker zeigt die Möglichkeit einer weiteren Verbesserung der Varroaresistenz auf.

Ein Beispiel meines Zuchtvolkes: Eine sehr gute Honigleistung und Sanftmütigkeit sind Voraussetzung für eine Auslese auf Varroaresistenz!



Auslese und Züchung auf Varroaresistenz

Unter Züchtung im Allgemeinen versteht man das Verfahren, bei welchem der Züchter eine entsprechende Auswahl unter den zu paarenden Tieren trifft, bei welchen die erwünschten Eigenschaften noch mehr gefestigt und entwickelt werden.

Bei meiner Züchtung ist die gewünschte Eigenschaft das Töten von Varroamilben durch die Bienen. Um diese Eigenschaft messbar zu machen, habe ich im Jahre 1990 den Messwert Varroakillerfaktor (VKF) geschaffen. Mit diesem Messwert ist es mir möglich, die Veränderung der gewünschten Eigenschaft auch grafisch aufzuzeigen:



Fazit:
In den vergangenen 28 Jahren wurden jedes Jahr neue Paarungen vorgenommen. Von 60 bis 100 Bienenvölkern wurde jedes Jahr im September der Varroakillerfaktor (VKF) ermittelt. Von den Bienenvölkern mit dem höchsten VKF wurden im kommenden Jahr die jeweils neuesten Zuchtvölker ausgelesen und zur Züchtung verwendet. Besonders interessant in der Grafik finde ich, dass mehrmals in einigen Jahren keine prozentuelle Steigerung des VKF stattfand. Die Erklärung dafür liegt wahrscheinlich darin, dass erst wieder eine Steigerung möglich war, wenn Drohnen der neuen Züchtung für die Paarung zur Verfügung standen. Die letzten Jahre der Grafik belegen eindeutig eine Festigung der erwünschten Eigenschaft in der Erbmasse meiner Züchtung. Diese Festigung ist Voraussetzung für den nächsten Schritt in meiner Auslese und Züchtung.

Im Jahr 2009, habe ich mit einer speziellen Selektion begonnen. Mit dieser Auslese selektiere ich nun Bienenvölker, die nicht nur einen hohen VKF nachweisen, sondern zusätzlich auch sehr schnell im Abfangen und Töten von Varroamilben sind.

Aus der Praxis:
Bei einem hohen VKF, von durschschnittlich 96 % der Zuchtvölker benötige ich keine Schlussentmilbung im Herbst und Winter bei meinen Völkern. Die Bienen entmilben sich ausreichend selbst, falls keine Reinfektion von außen stattfindet.